Zur Geisenburg. So steht auf vielen Schildern in Brockscheid. Sie führen den Wanderer in den Wald in Richtung Liesertal. Die Meisten erwarten sicher eine große Burg ganz im Stil der Manderscheider Burgruinen. Dem ist aber nicht so, denn von der Geisenburg existieren nur noch die Reste der Grundmauern, dennoch eindrucksvolle Zeugen eines ehemals blühenden Stützpunktes...

Wir schreiben das Jahr 1340. König Johann von Böhmen hat die Burg Freudenstein als Graf von Luxemburg erbaut. Sie diente ihm neben den Burgen Freudenkoppe bei Neroth und Freudenburg bei Saarburg als Stützpunkt.

Besser als Freudenstein konnte ein Stützpunkt fast nicht sein, denn die Burg wurde auf einen Hügel gebaut, der extrem Steil ins Liesertal abfällt. Dies schafft optimalen Überblick in die Umgebung und erschwert die Erreichbarkeit der Burg für Feinde. Im Lagerbuch von Brockscheid wird der Ort beschrieben als “kleiner, von breitem und tief in den Fels eingeschnittenen Graben umzogener Burghügel”.

Die Burg bestand aus einem etwa 60 Meter langen, ovalen Burgplatz, einem Drei-Viertel-Rundbau und zwei quadratischen Bauten mit einmal 8,5 Meter und einmal 10 Meter Seitenlänge. Westlich des Burgplatzes sind die Reste einer Steinmauer zu erkennen, die 61 Meter am Bergabhang entlang führte. Daran schließt sich im rechten Winkel eine 21 Meter lange Mauer an.

Mit dem Ort Brockscheid steht die Burg Freudenstein in keinerlei geschichtlicher Beziehung. Brockscheid gehörte bereits 1341 urkundlich als Hofgut zur Grafschaft Daun. Vielmehr hat der Nachbarort Tettscheid - vormals Tetschet - eine eindeutige Beziehung, denn ein Teil dieses Ortes gab Johann von Böhmen wohl als Burglehen an Friedrich, Herr zu Daun. Hiermit werden auch alle Spekulationen widerlegt, die Burg Freudenstein läge in der Nähe von Laufeld. Denn es ist beschrieben, dass Tetschet in der Nähe von Freudenstein liegen würde. Das  heutige Tettscheid liegt nur ca. 2 Kilometer von der Burg entfernt. Außerdem ist die Lage von Freudenstein nordostwärts der Burgen von Manderscheid beschrieben (Laufeld liegt südostwärts).

1346. Nach dem Tod Johanns bei der Schlacht von Crécy wird sein Sohn Karl zu dessen Nachfolger und deutscher Kaiser. Dabei verlässt er Freudenstein als Standort und gibt ihn als Lehen an den Grafen Wilhelm von Manderscheid. Dieser verwickelte sich allerdings in einen Streit mit Kurfürst Balduin von Trier. Diese Fehde bedeutete wohl 1348 die Zerstörung und das Ende von Freudenstein, einem bis dahin bewährten Stützpunkt. Man machte damals keinerlei Planungen, die Burg wiederaufzubauen, somit blieb sie bis heute - mehr als 650 Jahre später - eine einsame Ruine, umgeben von einem dichten Wald.

Obwohl Tag für Tag eine ganze Menge Wanderer auf dem Lieserpfad fast direkt an den Ruinen vorbeigehen, weiß kaum jemand von diesen stummen Zeugen einer vergangenen, turbulenten Zeit

GEISENBURG - FREUDENSTEIN
Wie kommt es zu diesen verschiedenen Namen?

Freudenstein - Das ist der Name der Burg zu ihrer Blütezeit. Auf dem Burggelände befindet sich allerdings eine kleine Quelle, die die Geisenburger Mühle versorgte. Diese Mühle, die heute ebenfalls nur noch in Ruinen existiert, gab der Burg dann wohl ihren zweiten Namen. Heute tauchen beide Namen auf, meist jedoch der Name Geisenburg; ab und zu findet man auch die Bezeichnung “Geißenburg” in der Literatur oder auf Karten, womit auch jene Burg gemeint ist.

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